Gutachten: Monumentales chinesisches Cloisonné-Paar – Qing, 19. Jh.

Forschungsdossier und Bewertung

Dieses monumentale chinesische Cloisonné-Paar zeigt Lü Dongbin und Lan Caihe, zwei Gestalten der daoistischen Acht Unsterblichen. Die Einordnung beruht auf Gesamt- und Detailfotografie, Mikroskopaufnahmen der Unterseite, Maßen, Gewichten, konstruktiven Merkmalen und der überlieferten Provenienz.

Monumentales chinesisches Cloisonné-Paar Lü Dongbin und Lan Caihe, Qing-Dynastie, 19. Jahrhundert

Angebotspreis bei 1stBuddha: €42.500 für das Paar.

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Ergebnis der Untersuchung

Beide Figuren bestehen aus Cloisonné-Email auf einer schweren Kupferlegierung bzw. Bronze mit vergoldeten Metallpartien. Technik, Oberflächenalterung, Patina, geschlossene Konstruktion und Ikonografie sprechen für eine Datierung in die Qing-Dynastie des 19. Jahrhunderts; als Arbeitszeitraum gilt ca. 1850–1900.

Objektdaten

  • Herkunft: China
  • Periode: Qing-Dynastie, 19. Jahrhundert
  • Datierung: ca. 1850–1900
  • Material: Cloisonné-Email, Kupferlegierung/Bronze, vergoldete Partien
  • Lü Dongbin: H 79 × B 29 cm; 20,8 kg
  • Lan Caihe: H 76 × B 34 cm; 20,2 kg
  • Gesamtgewicht: ca. 41 kg
  • Marke: 大清乾隆年製, sechszeichnige Qianlong-Marke; hier als apokryph eingestuft

Lan Caihe – Blumenkorb und Fülle

Lan Caihe ist durch den charakteristischen Blumenkorb identifizierbar. Die Figur trägt zwei Haarknoten und ist in lebhafter, asymmetrischer Haltung modelliert. Innerhalb der Bildwelt der Acht Unsterblichen ist der Korb das entscheidende Attribut.

Später neu vergoldetes Gesicht mit deutlich älterer Patina am Hals
Lan Caihe mit Blumenkorb im Detail
Lan Caihe, vollständige Seitenansicht
Hände und Blumenkorb von Lan Caihe
Rückansicht des Cloisonné-Gewandes
Vollständige Rückansicht von Lan Caihe
Patinierte Rückseite von Haar und Hals
Lan Caihe im Profil
Lan Caihe in Dreiviertelansicht
Porträt von Lan Caihe
Schwer gegossener Blumenkorb

Lü Dongbin – der gelehrte Unsterbliche

Die männliche Figur wird als Lü Dongbin bestimmt: ein würdevoller, bärtiger Gelehrter mit formeller Kopfbedeckung. Das Gewand trägt einen markanten Drachen sowie mehrere symbolische Medaillons. In der Tradition der Ba Xian ist Lü Dongbin besonders mit dem Schwert und mit Schutz, Bildung und spiritueller Autorität verbunden.

Lü Dongbin mit formeller Kopfbedeckung und langem Bart
Drachenmotiv auf dem Cloisonné-Gewand
Detail des Drachenmotivs
Lü Dongbin in vollständiger Seitenansicht
Kopfbedeckung und Bart im Detail
Vollständige Rückansicht von Lü Dongbin
Seitenansicht der formellen Kopfbedeckung
Frontalporträt von Lü Dongbin
Brust, Hand und Drachenmotiv im Detail
Unterer Bereich des Cloisonné-Gewandes

An Baxian – die verborgenen Acht Unsterblichen

Die roten Medaillons auf den Gewändern sind kein bloßes Dekor. Sie zeigen die An Baxian, also die emblematischen Attribute der Acht Unsterblichen. Diese Symbole bilden neben den beiden Hauptfiguren eine zweite ikonografische Ebene und verbinden das Ensemble zu einem geschlossenen daoistischen Programm.

An-Baxian-Medaillon auf der Rückseite
An-Baxian-Rondell auf Lü Dongbins Obergewand
Zwei rote An-Baxian-Medaillons
An-Baxian-Symbole am unteren Gewand

Qianlong-Marke

Eine rechteckige Metallplatte trägt die sechs Zeichen 大清乾隆年製. Die Marke ist konstruktiv in das Objekt eingebunden. Die Datierung wird jedoch nicht aus der Marke abgeleitet: Stil, Technik und Alterung sprechen für das 19. Jahrhundert. Die Inschrift wird daher als apokryphe Qianlong-Marke beschrieben.

Qianlong-Markenplatte im Cloisonné-Gewand
Sechszeichnige Qianlong-Marke im Detail

Email, Vergoldung und Oberflächengeschichte

Die Oberflächen zeigen eine lange Nutzungs- und Restaurierungsgeschichte. Sichtbar sind Pitting, kleinere Emailverluste, Abrieb und lokal zurückliegende Emailflächen. Auf erhabenen Metallpartien ist die Vergoldung abgetragen; in Vertiefungen haben sich dunkle und grünliche Oxidationsprodukte gebildet. Die Gesichter wurden später neu vergoldet. Der Kontrast zwischen der gleichmäßigeren Goldoberfläche der Gesichter und der älteren braun-grünen Patina an Hals, Haaren, Händen und übrigen Metallpartien macht diese Restaurierung deutlich.

Alterungs- und Abriebspuren an Gewandsaum und Bronzesockel
Detail des schweren bronzenen Wellensockels

Geschlossene Unterseite und Mikroskopaufnahmen

Die Unterseiten sind durch separat eingesetzte Metallplatten geschlossen. An den Randverbindungen sind alte Verfärbungen, Oxidation und Abrieb zu erkennen. In den untersuchten Bereichen sind keine modernen Schraubverbindungen oder frischen maschinellen Schweißnähte sichtbar. Die Mikroskopbilder dokumentieren Rand und Fügung der Bodenplatte.

Mikroskopdetail der geschlossenen Unterseite
Alte Oxidation an der Bodenrandverbindung
Mikroskopdetail der Plattenfügung
Alte Abriebspuren am Bodenrand

Provenienz

Nach der überlieferten Geschichte befand sich das Paar bereits in den 1960er Jahren in Europa. Es soll aus dem Bestand eines chinesischen Restaurantbesitzers stammen, der nach einer Insolvenz Teile seines Besitzes veräußerte. Anschließend verblieb das Ensemble über Jahrzehnte in einer privaten Sammlung, bis der Eigentümer 2024 verstarb. Diese mündliche Provenienz wird als Kontext dokumentiert, nicht als alleiniger Datierungsbeweis.

Angebotspreis

Unter Berücksichtigung von Größe, Qualität, Seltenheit, Ikonografie, Erhaltungszustand und der Einordnung in das 19. Jahrhundert beträgt der aktuelle 1stBuddha-Angebotspreis €42.500 für das Paar.

Zusammenfassung

Monumentales chinesisches Cloisonné- und vergoldetes Bronzepaar von Lü Dongbin und Lan Caihe, mit An-Baxian-Attributen, Qing-Dynastie, 19. Jahrhundert, ca. 1850–1900, mit apokryphen Qianlong-Marken.

Methodik: visuelle und fotografische Untersuchung, Makro- und Mikroskopaufnahmen, Maße, Gewichte und verfügbare Provenienzinformationen. €42.500 ist der aktuelle Angebotspreis von 1stBuddha.

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