Materialtechnische Untersuchung eines tibetisch-himalayischen Shakyamuni Buddha
Die vorliegende Dokumentation untersucht eine großformatige Figur des Shakyamuni Buddha aus dem tibetisch-himalayischen Kulturraum. Im Mittelpunkt stehen nicht die stilistische Zuschreibung allein, sondern die am Objekt sichtbaren Herstellungs-, Bearbeitungs- und Alterungsspuren.
Zur Objektseite mit vollständigen Ansichten und technischen Angaben
Katalogangaben
- Darstellung: Shakyamuni Buddha
- Vorgeschlagene Datierung: 17.–18. Jahrhundert
- Kulturraum: Tibetisch-Himalayisch
- Material: Kupferlegierung, als Bronze/Messing beschrieben
- Maße: H 56 × B 37 cm
- Gewicht: 14,3 kg
- Mudra: Abhaya Mudra
Fragestellung und Verfahren
Die Untersuchung erfolgte berührungslos durch visuelle Begutachtung, digitale Mikroskopie bis etwa 50-facher Vergrößerung und Beleuchtung mit UV-Licht bei 365 nm. Dokumentiert wurden Werkzeugspuren, Gravuren, Gussübergänge, innere Ablagerungen, Korrosionsfarben und lokale Fluoreszenzen.
Diese Methoden erlauben eine genaue Beschreibung der Oberfläche, jedoch keine zweifelsfreie chemische Bestimmung. Aussagen zu Legierungsbestandteilen, Mineralphasen, organischen Resten oder fluoreszierenden Substanzen bleiben ohne XRF-, Raman- oder FTIR-Analyse vorläufig.
Bearbeitung der Außenseite
Die Gewandornamente zeigen unter Vergrößerung wechselnde Linienbreiten und Schnitttiefen. Die Abweichungen sind mit einer von Hand ausgeführten Ziselierung nach dem Guss vereinbar. Feine parallele und sich kreuzende Kratzer überziehen die geglätteten Flächen; sie belegen wiederholte mechanische Einwirkung, lassen aber weder Ort noch Zeitraum oder Anlass dieser Behandlung bestimmen.


Aufbau und Verbindung der Gussteile
Figur und Lotossockel wurden als getrennte Gussteile hergestellt und anschließend verbunden. An den Übergängen erscheinen unregelmäßige Metallzonen, örtliche Erhebungen, Poren und Nachbearbeitungsspuren. Die benachbarten Bereiche tragen vergleichbare Abrieb- und Ablagerungsmuster.


Der Befund passt zu einer mehrteiligen traditionellen Gusskonstruktion mit anschließender Handbearbeitung. Er dokumentiert die Herstellung, stellt für sich genommen jedoch keinen exakten Datierungsnachweis dar.
Befunde im Inneren
Durch die offene Unterseite sind verschiedenfarbige Schichten an der Innenwand zugänglich: grünblaue, rotbraune und helle Bereiche, poröse Auflagerungen und örtliche Rissnetze. Die Farbgebung ist mit Korrosionsprodukten einer Kupferlegierung vereinbar. Eine Benennung als Malachit, Cuprit oder ein anderes bestimmtes Mineral wäre ohne Analyse nicht gesichert.




Lage und Textur einzelner Bereiche sind mit Resten eines Gusskerns und längerfristiger Korrosion in einem geschützten Hohlraum vereinbar. Die Mikroskopie liefert dafür unterstützende Dokumentation, erlaubt jedoch keine Berechnung des Entstehungszeitraums.
Reaktionen unter UV-Licht
Unter 365 nm UV-Licht treten an wenigen Stellen deutlich abgegrenzte rot-orange und grünliche Fluoreszenzen auf. Damit wird Material sichtbar, das optisch anders reagiert als seine Umgebung; eine Stoffidentifikation ist daraus nicht abzuleiten.



Als mögliche Ursachen kommen organische Rückstände, Wachs, Klebstoff, Konservierungsmittel, Pigmentbindemittel oder rituell aufgetragenes Material in Betracht. Eine Bestimmung etwa als Sindoor ist ohne Probenahme und instrumentelle Analyse nicht möglich.
Ikonographie und überlieferte Herkunft
Die verlängerten Ohrläppchen, die hohe Ushnisha, die regelmäßig gesetzten Locken und die meditative Haltung kennzeichnen Shakyamuni. Die rechte Hand bildet die Abhaya Mudra als Zeichen von Schutz, Furchtlosigkeit und Beruhigung; die linke Hand liegt geöffnet im Schoß.
Nach den zum Objekt übermittelten Familienangaben befand sich die Figur mindestens etwa vierzig Jahre in niederländischem Privatbesitz. Diese Information ist für die Provenienz relevant, wird hier jedoch nicht durch unabhängige Archivunterlagen belegt.
Zusammenfassende Einordnung
Mehrteilige Gusskonstruktion, manuelle Ziselierung, gestaffelte Gebrauchsspuren, innere Korrosion und mögliche Gusskernreste ergeben ein in sich stimmiges Bild einer traditionell gefertigten und über längere Zeit genutzten Metallskulptur. Zusammen mit Ikonographie und Stil unterstützt dies die vorgeschlagene tibetisch-himalayische Einordnung und die Datierung in das 17.–18. Jahrhundert.
Die Untersuchung ist dokumentierend und nicht destruktiv. Sie liefert unterstützende Indizien, aber kein allein abschließendes Echtheits- oder Alterszertifikat. Weiterführend wären eine Legierungsanalyse mittels XRF, die Untersuchung fluoreszierender Reste mittels Raman oder FTIR und der Vergleich mit sicher datierten Referenzobjekten.
Erhaltungszustand
Guter altersgemäßer Zustand mit Abrieb, Oxidation, Gussunregelmäßigkeiten, feinen Kratzern und dunkler Patina in vertieften Partien. Die stark vergrößerten Forschungsaufnahmen lassen Einzelheiten wesentlich deutlicher erscheinen als bei normaler Betrachtung.
Shakyamuni Buddha ansehen – mit Maßen, Zustand und vollständiger Fotodokumentation
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