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Maße: H 61,5 × B 18 cm
Gewicht: 1,2 kg
Herkunft: Bali, Indonesien
Datierung: 19. Jahrhundert
Material: Geschnitztes Holz mit historischer Farbfassung und Golddekor
Funktion: Figurale Halterung zur Präsentation eines Keris
Aus einiger Entfernung wirkt diese Figur fast elegant. Sie ist hoch, auffallend schlank und reich geschmückt. Erst beim Näherkommen verändert sich der Eindruck vollständig: riesige Augen treten aus dem Gesicht hervor, der Mund öffnet sich zu einem breiten Grinsen und zwischen den Lippen erscheinen kräftige Fangzähne.
Dieser Gegensatz ist typisch für die Lust an Übertreibung, Bewegung und dramatischer Mimik innerhalb der balinesischen Schnitzkunst. Ein Gesicht musste nicht schön im europäischen Sinne sein. Es durfte wild, komisch, bedrohlich und faszinierend zugleich wirken.
Der Schnitzer hat die Proportionen bewusst übersteigert. Der Körper bleibt lang und schmal, während Kopf, Ohren, Schmuck und Krone immer weiter nach außen wachsen.
Besonders auffällig sind die großen runden Augen. Sie dominieren das Gesicht und werden durch die kräftige Nase und den geöffneten Mund noch verstärkt. Von der Seite erkennt man erst richtig, wie plastisch diese Partien aus dem Holz herausgearbeitet wurden.
Auch die hohe Krone ist kein nebensächliches Ornament. Ihre einzelnen Ebenen, Spitzen und floralen Formen verlängern die Figur optisch und machen einen erheblichen Teil ihrer Silhouette aus.
Trotz dieser aufwendigen Gestaltung war die Figur ursprünglich kein freistehendes Kunstwerk. Sie wurde geschaffen, um einen Keris zu präsentieren.
Damit gehört sie zu einer bijzondere Gruppe balinesischer Objekte, bei denen Gebrauchsgegenstand und Skulptur praktisch niet van elkaar te scheiden zijn. De houder moest functioneel zijn, maar tegelijk waardig genoeg om een belangrijk persoonlijk object te dragen.
De keris zelf is bij dit exemplaar niet meer aanwezig. Daardoor valt tegenwoordig juist op hoeveel aandacht de maker aan de houder zelf heeft besteed.
Die dunkle Grundfarbe erfüllt bei dieser Figur eine wichtige gestalterische Funktion. Vor dem fast schwarzen Körper treten die farbigen Details wesentlich stärker hervor.
Grün findet sich unter anderem an den Beinen und einzelnen Ornamenten, Rot setzt kleine kräftige Akzente, während Gelb und Gold die geschnitzten Schmuckelemente hervorheben.
Die Wirkung ist besonders aus einiger Entfernung interessant. Zunächst erkennt man eine dunkle Silhouette mit einem hellen Gesicht. Erst danach werden die zahlreichen kleinen Farbflächen und Ornamente sichtbar.
Viele dekorative Figuren sind nahezu ausschließlich für die Frontalansicht gearbeitet. Hier ist das anders.
Auch Rücken, Kopfschmuck und die weit nach hinten ausschwingenden Elemente wurden vollständig geschnitzt und dekoriert. Von der Seite entsteht dadurch eine überraschend dynamische Linie, die sich von der Krone über den Rücken bis in den unteren Bereich fortsetzt.
Das macht die Figur besonders geeignet für eine freie Aufstellung, bei der sie nicht unmittelbar mit dem Rücken an einer Wand stehen muss.
Die ungewöhnlichen Proportionen machen dieses Stück auch für heutige Räume interessant. Mit 61,5 cm besitzt die Figur eine beachtliche Höhe, benötigt mit lediglich 18 cm Breite jedoch erstaunlich wenig Platz.
Auf einer schmalen Konsole, einem hohen Sockel oder zwischen größeren asiatischen Kunstobjekten entsteht dadurch ein vertikaler Akzent, ohne dass die Skulptur den Raum dominiert.
Die Figur muss ursprünglich wesentlich farbiger und glänzender gewirkt haben. Heute wechseln kräftiger erhaltene Partien mit Bereichen, an denen Farbe und Gold durch jahrzehntelange Berührung und Alterung reduziert wurden.
Gerade an den feinen Schnitzereien entstehen dadurch schöne Kontraste. In tieferen Bereichen sind Gold und Pigmente stärker erhalten, während die hervorstehenden Kanten dunkler oder bis auf darunterliegende Schichten berieben sind.
Diese Unregelmäßigkeit würden wir nicht restaurieren wollen. Sie nimmt der Figur nichts von ihrer Wirkung – im Gegenteil, sie verhindert, dass die aufwendige Dekoration zu perfekt oder dekorativ erscheint.
Balinesische Holzskulpturen fanden bereits im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert ihren Weg in europäische Sammlungen. Gerade ungewöhnliche Figuren wie Keris-Halter wurden gesammelt, weil sie sich kaum in die westliche Trennung zwischen Kunst und Gebrauchsgegenstand einordnen ließen.
Dieses Exemplar besitzt genau diese Qualität. Es ist gleichzeitig Figur, Präsentationsobjekt, traditionelles Kunsthandwerk und ein ausgesprochen eigenwilliges Stück balinesischer Bildhauerei.
Wir ordnen die Figur aufgrund ihrer Schnitzweise, Konstruktion, erhaltenen historischen Oberfläche und des gealterten Holzes dem 19. Jahrhundert zu.
Die Figur zeigt deutliche Spuren ihres Alters. Dazu gehören alte Schwundrisse, Abrieb und Verluste an Farbe und Golddekor, kleinere Beschädigungen sowie natürliche Veränderungen des Holzes. Diese Spuren wurden nicht kaschiert und gehören zum Charakter des Stückes.
Eine ungewöhnlich expressive balinesische Keris-Figur, bei der gerade die schmale Silhouette, das wilde Gesicht und die verbliebenen Farb- und Goldakzente eine außergewöhnliche Wirkung erzeugen.
