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Bei dieser 77 cm hohen Figur steht die handwerkliche Wirkung des geschnitzten Holzes unmittelbar im Vordergrund. Der schmale Oberkörper, die ausgeprägte Hüftbewegung, der lange Flechtzopf und der reiche Körper- und Ohrschmuck verleihen der Figur einen lebendigen, beinahe tänzerischen Rhythmus. Das fein strukturierte Untergewand bildet dazu einen starken ornamentalen Kontrast.
Besonders bemerkenswert ist die nicht vereinheitlichte alte Oberfläche. In Vertiefungen haben sich rote und ockerfarbene Fassungsreste sowie helle Grundierungsschichten erhalten; darüber liegen dunkle, über lange Zeit entstandene Oberflächenzonen. Schwundrisse, Abrieb an erhöhten Partien und alte Werkzeugspuren gehören zum gewachsenen Erscheinungsbild der Skulptur.
Die Figur wurde nicht bis auf frisches Holz abgebeizt oder modern glatt überarbeitet. Gerade das Zusammenspiel aus verbliebener Polychromie, Patina und sichtbarer Holzstruktur macht sie für Sammler antiker indischer Holzskulptur interessant.
Ein Attribut, das die Figur eindeutig als eine bestimmte Göttin benennt, ist nicht sicher erkennbar. Wir ordnen sie deshalb als weibliche Tempelfigur vom Nāyikā- beziehungsweise Surasundarī-Typus ein. Solche idealisierten weiblichen Gestalten gehören zum Bildrepertoire indischer Tempelkunst und können als glückverheißende Begleitfiguren innerhalb größerer religiöser Skulpturenprogramme auftreten.
Die Datierung liegt im 18.–19. Jahrhundert. Für die regionale Einordnung sprechen derzeit vor allem süd- und ostindische Vergleichsstücke. Merkmale wie Flechtzopf, Schmuck, Körperhaltung, Gewandzeichnung und die Verwendung polychrom gefassten Holzes finden Parallelen sowohl in Tamil Nadu als auch in Odisha. Eine engere Werkstattzuweisung wäre ohne ein eindeutig bestimmbares Handattribut nicht seriös.
Höhe: 77 cm
Breite: 27 cm
Gewicht: 7,1 kg
Material: massiv geschnitztes Holz mit alter Polychromie
Herkunft: Indien, süd- oder ostindische Tradition
Datierung: 18.–19. Jahrhundert
Typus: weibliche Tempelfigur / Nāyikā / Surasundarī
