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Maße: H 20,5 × B 8 cm
Gewicht: 600 g
Material: Gegossene Kupferlegierung / Bronze
Herkunft: Nordindien, indo-persischer Kulturraum
Datierung: 18. Jahrhundert
Auf den ersten Blick lässt sich dieses kleine Bronzegefäß nur schwer einordnen. Es besitzt weder die klassische Form einer Kanne noch die eines gewöhnlichen Vorratsgefäßes. Der bauchige Körper verjüngt sich stark nach unten, während sich seitlich eine kurze Tülle mit einer offenen Verbindung zum Hals erhebt.
Gerade diese ungewöhnliche Konstruktion führt in die Welt der historischen indischen Huqqa-Kultur. Vergleichbare kompakte Gefäße wurden im indo-persischen Raum als Bestandteil von Wasserpfeifen verwendet. Ihre Formen entwickelten sich während der Mogulzeit in zahlreichen regionalen Varianten.
Nimmt man das Stück in die Hand, fällt zuerst sein Gewicht auf. Bei einer Höhe von lediglich 20,5 cm wiegt das Gefäß rund 600 Gramm. Der Körper besteht aus einer kräftig gegossenen Kupferlegierung und besitzt dadurch eine wesentlich größere Substanz, als die schlanke Silhouette zunächst vermuten lässt.
Die untere Hälfte läuft in eine lange Spitze mit einem kleinen profilierten Abschluss aus. Diese Form verleiht dem Objekt eine fast skulpturale Wirkung und unterscheidet es deutlich von den späteren, häufig breiteren Huqqa-Gefäßen des 19. Jahrhunderts.
Die Dekoration erschließt sich erst aus der Nähe. Über den Körper ziehen sich feine eingeritzte Linien, geometrische Felder und kleine ornamentale Motive.
Sie wurden nicht mit maschineller Gleichmäßigkeit ausgeführt. Linien variieren leicht in Tiefe und Verlauf, einzelne Motive besitzen kleine Unregelmäßigkeiten. Gerade dadurch bleibt die Hand des Metallarbeiters sichtbar.
Dieses Gefäß gehört nicht zu den prunkvollen, dicht ornamentierten Mogularbeiten, die vollständig mit Silbertauschierung oder aufwendigen Arabesken bedeckt wurden.
Seine Gestaltung ist wesentlich ruhiger. Form und Material stehen im Vordergrund, während die Gravur lediglich Akzente setzt. Das spricht eher für einen hochwertigen historischen Gebrauchsgegenstand als für ein ausschließlich repräsentatives Hofobjekt.
Besonders aufschlussreich war die Untersuchung der Bronze unter starker Vergrößerung. Die beinahe schwarze Oberfläche erweist sich dabei keineswegs als gleichmäßige dunkle Schicht.
In wenigen Millimetern wechseln tiefbraune Patina, warme kupferfarbene Bereiche, kleine grüne Korrosionsprodukte und deutlich hellere goldfarbene Partien miteinander.
In Vertiefungen haben sich dunkle Ablagerungen und grüne Kupferoxidationen erhalten. Auf stärker exponierten Bereichen tritt dagegen die wärmere Farbe der Legierung hervor.
Auch zahlreiche kleine Kratzer und alte mechanische Spuren werden unter dem Mikroskop sichtbar. Einige sind bereits wieder von später entstandenen Oberflächenveränderungen überlagert. Dadurch entsteht eine komplexe Struktur aus Gebrauch, Oxidation und erneuter Abnutzung.
An mehreren Stellen erscheinen unter Vergrößerung auffallend intensive goldfarbene Bereiche. Besonders interessant ist ihre Lage unmittelbar neben stark oxidierten und dunkel patinierten Zonen.
Es ist möglich, dass hier Reste einer historischen Vergoldung erhalten geblieben sind. Eine endgültige Bestimmung wäre allerdings nur durch eine Materialanalyse möglich, da auch freigelegte Bereiche einer historischen Kupferlegierung eine kräftige goldgelbe Farbe besitzen können.
Aus diesem Grund beschreiben wir diese Stellen bewusst als mögliche Vergoldungsreste und nicht als chemisch nachgewiesene Vergoldung.
Die Huqqa war im Indien der Mogulzeit weit mehr als ein einfaches Rauchgerät. Sie gehörte zur gesellschaftlichen Kultur und wurde in unterschiedlichsten Ausführungen hergestellt – von kostbaren höfischen Exemplaren bis zu robusteren Gefäßen für den regelmäßigen Gebrauch.
Form, Metallverarbeitung und Dekoration dieses Stückes führen nach unserer Einschätzung nach Nordindien innerhalb des indo-persischen Kulturraums.
Wir datieren das Gefäß in das 18. Jahrhundert. Eine genauere regionale Zuschreibung innerhalb Nordindiens wäre ohne Inschrift, Herstellermarke oder dokumentierte Provenienz spekulativ und wird daher bewusst vermieden.
Dieses Objekt lebt nicht von perfekter Erhaltung. Im Gegenteil: Die interessantesten Stellen sind die Bereiche, an denen drei Jahrhunderte Gebrauch und Oberflächenveränderung sichtbar geblieben sind.
Kratzer, kleine Vertiefungen, dunkle Patina, grüne Oxidation und die ungewöhnlichen goldfarbenen Bereiche machen jedes Segment der Oberfläche anders.
Gerade deshalb ist dieses kleine Gefäß für Sammler historischer Metallarbeiten so interessant. Es verbindet die Formensprache der indo-persischen Huqqa-Kultur mit einer Oberfläche, die erst unter Vergrößerung ihre ganze Komplexität zeigt.
Ein schweres, handbearbeitetes Huqqa-Gefäß aus dem Nordindien des 18. Jahrhunderts – kompakt in der Größe, aber außergewöhnlich reich an erhaltenen Gebrauchsspuren und historischer Patina.
