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Tibetische Sakya-Linien-Thangka mit Hevajra – Frühe Ngor-Tradition, 15. Jahrhundert

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Tibetische Sakya-Linien-Thangka mit Hevajra – Frühe Ngor-Tradition, 15. Jahrhundert

Abmessungen

  • Höhe: 89,5 cm
  • Breite: 65 cm
  • Originale Brokatfassung: Nicht mehr vorhanden

Diese außergewöhnliche tibetische Linien-Thangka zählt zweifellos zu den bedeutendsten religiösen Kunstwerken, die wir in den vergangenen Jahren untersuchen durften. Über mehrere Monate hinweg wurde das Werk kunsthistorisch analysiert. Dabei wurden Ikonografie, historische tibetische Inschriften, der vollständige Kolophon auf der Rückseite, die Identifizierung der dargestellten Meister, die rituellen Rañjanā-Inschriften sowie Vergleiche mit bekannten Beispielen der Sakya- und Ngor-Tradition berücksichtigt.

Alle untersuchten Merkmale weisen bemerkenswert übereinstimmend auf eine hochwertige Linien-Thangka der frühen Ngor-Tradition innerhalb der tibetischen Sakya-Schule hin, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden ist.

Ein außergewöhnliches religiöses Gemälde

Im Zentrum der Komposition befindet sich Hevajra, die wichtigste Meditationsgottheit der Lamdré-Überlieferung innerhalb der Sakya-Schule. Um die zentrale Darstellung gruppieren sich historische Linienhalter, Schutzgottheiten, Ḍākinīs und Gottheiten des Wohlstands. Gemeinsam bilden sie ein sorgfältig aufgebautes religiöses Programm, das die spirituelle Übertragung der Lehre visuell darstellt.

Unter den wichtigsten Figuren befinden sich äußerst fein ausgeführte goldene tibetische Inschriften. Während unserer Untersuchung konnten unter anderem folgende historische Persönlichkeiten identifiziert werden:

  • Chögyal Phagpa Lodrö Gyeltsen
  • Zhangtön Könchok Pel
  • Nyenchen Sönam Tenpa
  • Ngorchen Kunga Zangpo

Darüber hinaus wurden bedeutende Gottheiten wie Amitāyus, Hevajra, Brahmarūpa Mahākāla, Siṃhamukhā, Jetsün Dagmema, Vaiśravaṇa und Jambhala identifiziert.

Historischer Kolophon

Die gesamte Rückseite der Thangka ist mit einem umfangreichen tibetischen Kolophon versehen. Der Text enthält klassische buddhistische Verse, Segenswünsche für das Fortbestehen des Dharma, Hinweise auf die Lamdré-Überlieferung und nennt ausdrücklich den Auftraggeber Dzözin Gyeltsen Rinchen. Dadurch stellt die Rückseite eine außergewöhnlich wertvolle historische Quelle dar, die unmittelbar mit der auf der Vorderseite dargestellten spirituellen Linie verbunden ist.

Rañjanā-Weiheinschriften

Neben dem tibetischen Kolophon befinden sich auf der Rückseite mehrere rituelle Inschriften im klassischen Rañjanā- beziehungsweise Lantsa-Schriftstil. Diese zeremoniellen Sanskrit-Inschriften sind exakt hinter den wichtigsten Figuren angebracht und zeigen, dass die Thangka vollständig rituell konsekriert wurde. Die Kombination aus umfangreichem Kolophon, historischen Namen und Rañjanā-Inschriften ist außerordentlich selten.

Kunsthistorische Untersuchung

Im Verlauf der Untersuchung wurden verschiedene unabhängige Forschungsansätze miteinander verglichen. Nicht eine einzelne Beobachtung bildete die Grundlage der Datierung, sondern die Gesamtheit aller verfügbaren Hinweise:

  • Vollständige ikonografische Analyse.
  • Identifizierung der historischen Linienhalter.
  • Übersetzung des tibetischen Kolophons.
  • Übersetzung der goldenen Inschriften.
  • Analyse der Rañjanā-Inschriften.
  • Untersuchung von Gewebe, Malstil und Komposition.
  • Vergleich mit bekannten Sakya- und Ngor-Traditionen.

Auf Grundlage dieser kombinierten Untersuchungsergebnisse gelangen wir zu dem Schluss, dass diese Thangka überzeugend der frühen Ngor-Tradition der Sakya-Schule zugeordnet werden kann und mit hoher Wahrscheinlichkeit in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstanden ist.

Religiöse Bedeutung

Diese Thangka wurde nicht als dekoratives Kunstwerk geschaffen, sondern als religiöses Meditationsobjekt innerhalb der Vajrayāna-Tradition. Jede dargestellte Figur besitzt ihren festen Platz innerhalb der spirituellen Struktur der Komposition. Gemeinsam bilden sie eine visuelle Darstellung der Lamdré-Überlieferung, wie sie innerhalb der Sakya-Schule über Generationen hinweg weitergegeben wurde.

Künstlerische Qualität

Die außerordentliche Qualität der Malerei zeigt sich in der Präzision der Gesichter, der fein ausgeführten Gewänder sowie den aufwendig gemalten Goldornamenten. Selbst unter starker Vergrößerung bleiben die Details bemerkenswert scharf. Die gesamte Komposition zeugt von einem Künstler mit außergewöhnlicher technischer und religiöser Ausbildung.

Material und Erhaltung

Die Thangka wurde auf einem außergewöhnlich fein gewebten Textil ausgeführt. Die Bemalung zeigt eine natürliche Alterung mit Craquelé, kleineren Farbverlusten und authentischen Gebrauchsspuren, wie sie bei einem über Jahrhunderte verwendeten religiösen Objekt zu erwarten sind. Trotz dieser Alterungsmerkmale sind die Ikonografie, die Inschriften und die Gesamtkomposition hervorragend erhalten.

Seltenheit

Linien-Thangkas dieser Qualität gehören zu den seltensten Objekten der tibetischen Kunst. Noch außergewöhnlicher ist ein Exemplar, bei dem sowohl die historischen Meister als auch der Auftraggeber, der Kolophon und große Teile der ursprünglichen Inschriften identifiziert werden konnten. Dadurch besitzt dieses Werk nicht nur einen hohen religiösen und künstlerischen Wert, sondern auch eine außergewöhnliche kunsthistorische Bedeutung.

Forschungsdossier

Zu dieser Thangka liegt ein umfangreiches Forschungsdossier vor. Es enthält die vollständige kunsthistorische Analyse, Übersetzungen der tibetischen Inschriften, die Rekonstruktion der historischen Lamdré-Linie sowie eine detaillierte Untersuchung der Ikonografie und der Rañjanā-Inschriften. Dieses Dossier wird fortlaufend erweitert, sobald neue wissenschaftliche Erkenntnisse verfügbar werden.

Spezifikationen

  • Objekt: Tibetische Linien-Thangka
  • Tradition: Sakya – Ngor
  • Religiöser Zyklus: Lamdré
  • Zentrale Gottheit: Hevajra
  • Datierung: Wahrscheinlich zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts (ca. 1450–1490)
  • Herkunft: Tibet
  • Material: Handgewebtes Textil mit Mineralpigmenten und Goldmalerei
  • Zustand: Authentische Alterungs- und Gebrauchsspuren entsprechend dem hohen Alter

Weitere Informationen
Auf 1stbuddha.com finden Sie das vollständige Forschungsdossier mit der vollständigen Übersetzung des tibetischen Kolophons, der Identifizierung der dargestellten Meister, der Rekonstruktion der Lamdré-Linie sowie einer ausführlichen kunsthistorischen Analyse dieses außergewöhnlichen Werkes.