Ein sri-lankischer Stupa ist weit mehr als ein beeindruckendes Bauwerk. Diese heiligen Monumente bewahren Reliquien des Buddha und hochrangiger Mönche, und in ihrem Inneren finden oft auch Buddha-Statuen ihren Platz. Damit gehören sie zu den schönsten Ausdrucksformen des Buddhismus auf der Insel.
In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein sri-lankischer Stupa aufgebaut ist, was die Stupa-Struktur so besonders macht und welche Formen die buddhistische Stupa-Architektur in Sri Lanka kennt. Von der breiten Basis bis zur glänzenden Spitze führen wir Sie Schritt für Schritt durch alle Bestandteile.
Was ist ein sri-lankischer Stupa?
Der Stupa ist eine der auffälligsten architektonischen Formen im Buddhismus. Er ist ein heiliges Monument, das Reliquien schützt und die Lehre des Buddha ehrt.
Dagoba, Cetiya oder Stupa?
In Sri Lanka ist der Stupa noch unter zwei weiteren Namen bekannt: Dagoba und Cetiya. Ganz gleich, welche Bezeichnung Ihnen begegnet, gemeint ist stets dieselbe Art von Heiligtum.
Die Anfänge des Stupabaus in Sri Lanka
Der Überlieferung nach begann der Bau von Stupas mit der Ankunft des Buddhismus auf der Insel. Dies geschah während der Herrschaft von König Devanampiya Tissa von Anuradhapura.

Der allererste Stupa Sri Lankas ist der Thuparamaya im Mahamewna-Park in Anuradhapura. Danach entstanden zahllose weitere Stupas. Der größte, der bis heute errichtet wurde, ist der Jetavanaramaya, ebenfalls in Anuradhapura.
Die spirituelle Bedeutung eines Stupas
Der Bau eines Stupas gilt im Buddhismus als Tat von großem Verdienst. Dafür gibt es zwei wichtige Gründe:
- Ein Aufbewahrungsort für Reliquien: Ein Stupa beherbergt Reliquien des Buddha und hochrangiger Mönche.
- Eine Quelle der Weisheit: Der Stupa gilt als Zentrum, von dem aus sich die Weisheit und das Wissen des Buddha verbreiten.
Wer vor einem Stupa steht, blickt also nicht nur auf ein Monument, sondern auf einen Ort, der die Lehre des Buddha lebendig hält.
Entwurf und Materialien der buddhistischen Stupa-Architektur
Auffällig an den Stupas in Sri Lanka ist ihr einheitlicher Entwurf. Auch Stupas aus unterschiedlichen Epochen folgen demselben Grundprinzip.
Die Reliquien im Herzen des Stupas
Der Eingang befindet sich in der Regel außerhalb des Stupas selbst. So bleibt das Zentrum frei für das, worum es wirklich geht: die Reliquien des Buddha, die genau in der Mitte des Bauwerks aufbewahrt werden.

Kalkputz mit besonderen Zutaten
Die Außenseite eines Stupas wird meist mit einer Schicht Kalkputz überzogen. Dem Kalk wurden häufig weitere Materialien beigemischt, zum Beispiel:
- Ton, Sand und Kieselsteine;
- zerstoßene Muschelschalen;
- Zuckersirup, Eiweiß und Kokoswasser;
- Pflanzenharz, trocknendes Öl und Leim;
- Speichel weißer Ameisen (Termiten).
Die genaue Zusammensetzung hing davon ab, was der Entwurf erforderte. Beim Kiri Vehera besteht der Putz beispielsweise aus kleinen Kieseln und zerstoßenen Muschelschalen, vermischt mit Kalk und Sand.
Die Stupa-Struktur: sechs Bestandteile vom Fuß bis zur Spitze
Beim Bau wird ein Stupa traditionell in sechs Bestandteile gegliedert. Zusammen bilden sie die klassische Stupa-Struktur, die man am besten von unten nach oben liest.
Die Basis: Pesavalalu und Gharbaya
- Pesavalalu: die Terrassen, auf denen die Kuppel ruht. Am Fuß des Stupas liegen drei runde Terrassen, die nach oben hin immer kleiner werden.
- Gharbaya: die halbkugelförmige Kuppel über den Terrassen. In ihrem Kern befindet sich die Reliquienkammer, die Dhathu garbhaya, in der die Reliquien des Buddha aufbewahrt werden. Neben den Reliquien werden auch Buddha-Statuen in der Mitte dieser Kammer aufgestellt.
Der Mittelteil: Hatharas Kotuwa und Devatha Kotuwa
- Hatharas Kotuwa: der quadratische oder rechteckige, blockförmige Teil direkt über der Gharbaya. Auch hier wird eine Reliquie des Buddha aufbewahrt.
- Devatha Kotuwa: der zylindrische Hals des Stupas, der auf der Hatharas Kotuwa errichtet ist. In seine Oberfläche sind Darstellungen verschiedener Gottheiten eingemeißelt.
Die Spitze: Koth Kerella und Koth
- Koth Kerella: die lange, kegelförmige Turmspitze auf der Devatha Kotuwa. Sie wirkt wie aus Ringen aufgebaut, die jeweils etwas kleiner sind als der Ring darunter.
- Koth: der höchste Punkt des Stupas, auf Singhalesisch „Silumina“ genannt. Diese Spitze besteht meist aus Metall, kostbarem Kristall oder einem Edelstein.
Vahalkada und Chethiyagara: zusätzliche Elemente rund um den Stupa
Neben den sechs festen Bestandteilen wird ein Stupa manchmal mit zwei weiteren Elementen verziert.
Vahalkada
Ein Vahalkada ist eine dekorative Konstruktion, die in allen vier Himmelsrichtungen direkt an den Stupa angebaut wird.
Chethiyagara
Ein Chethiyagara ist ein eingeschossiges Gebäude, das den Stupa umgibt. Es erfüllt zwei Aufgaben:
- Es schützt den Stupa selbst.
- Es bietet Platz für Buddha-Statuen, Stupas und andere buddhistische Kunstwerke, die vor Ort gefertigt oder von anderswo zusammengetragen wurden.
Formen des sri-lankischen Stupas
Die alte singhalesische Schrift Vijayantha Potha beschreibt verschiedene Arten von Stupas. Die Einteilung beruht auf der Form der Kuppel, also des Körpers des Stupas.
Die Stupa-Typen im Überblick
- Dhanyakara (Reishaufen): Die Kuppel hat die Form eines Haufens Reis (Paddy). Ein Beispiel ist der Kelaniya-Stupa nahe Colombo.
- Ghantakara (Glocke): eine glockenförmige Kuppel, wie beim Ambastala-Stupa in Mihintale.
- Bubbulakara (Blase): eine Kuppel in Form einer Luftblase, wie beim Ruwanweli Maha Seya in Anuradhapura.
- Ghatakara (Topf): eine topfförmige Kuppel. Beispiele sind Situlpawwa bei Kataragama und Somawathiya.
- Padmakara (Lotus): eine lotusförmige Kuppel, zu sehen bei Vijayarama in Anuradhapura und Indikatu Seya in Mihintale.
- Amlakara (Nelli-Frucht): eine Kuppel in Form einer Nelli-Frucht (Indische Stachelbeere). Dieser Typ wird nur im Text beschrieben; in Sri Lanka ist kein Beispiel bekannt.
- Palandawakara (Zwiebel): eine zwiebelförmige Kuppel, wie beim Nadigamvila-Stupa.
Ein Grundprinzip, große Vielfalt
Diese Übersicht zeigt, wie vielfältig die buddhistische Stupa-Architektur in Sri Lanka ist. Der Aufbau bleibt stets erkennbar, doch die Form der Kuppel kann stark variieren, vom schlichten Reishaufen bis zum eleganten Lotus.
Fazit: Die bleibende Kraft des sri-lankischen Stupas
Ein sri-lankischer Stupa ist ein durchdachtes Zusammenspiel von Symbolik, Handwerkskunst und Hingabe. Von den drei Terrassen am Fuß bis zur Silumina an der Spitze hat jeder Bestandteil seinen festen Platz. Wer die Stupa-Struktur versteht, betrachtet diese heiligen Monumente mit anderen Augen.
Buddha-Statuen spielen dabei eine besondere Rolle: Sie erhalten einen Platz in der Reliquienkammer und im Chethiyagara rund um den Stupa. Möchten Sie etwas von dieser gelassenen Atmosphäre in Ihre eigene Umgebung bringen? In der Galerie von echtebuddhas finden Sie eine sorgfältig zusammengestellte Sammlung von Statuen und buddhistischer Kunst.
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