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Alter: Wahrscheinlich spätes 13. bis 14. Jahrhundert
Material: Hohl gegossene Bronze / Kupferlegierung mit erhaltenem historischem Gusskern
Höhe: ca. 122 cm
Herkunft: Thailand, Grahi-/Chaiya-geprägte Muchalinda-Tradition
Darstellung: Buddha Muchalinda / Naga-geschützter Buddha
Mudra: Bhumisparsha Mudra mit der rechten Hand; die linke Hand ruht in Meditationshaltung
Diese außergewöhnlich große Bronze zeigt den Buddha auf den mächtigen Windungen des Schlangenkönigs Muchalinda, geschützt durch den separat gegossenen, mehrköpfigen Naga-Baldachin. Die Komposition steht in der alten südthailändischen Tradition der Naga-geschützten Buddhas von Chaiya und ist eng mit dem berühmten Buddha von Grahi als Vergleichstypus verbunden.
Das vorliegende Werk ist jedoch keine wörtliche Wiederholung dieses älteren Vorbildes. Die Gesichtsgestaltung zeigt eine weiterentwickelte thailändische Formensprache: schmale, gesenkte Augen, hoch geschwungene Brauen, einen langgezogenen geraden Nasenrücken, ein zurückhaltendes Lächeln sowie eine hohe blatt- oder flammenförmige Bekrönung über der Ushnisha. Diese Merkmale weisen auf eine spätere Phase hin, in der ältere Chaiya- und Khmer-Traditionen mit der sich entwickelnden klassischen Thai-Ästhetik zusammentrafen.
Unsere derzeitige Arbeitszuschreibung ordnet die Bronze dem späten 13. bis 14. Jahrhundert zu, möglicherweise innerhalb einer frühen U-Thong- oder verwandten thailändischen Tradition. Eine Datierung in das 15. Jahrhundert bleibt möglich. Die Zuschreibung wird bewusst als kunsthistorische Arbeitshypothese und nicht als absolut gesicherte Datierung formuliert.
Auf der Stirn befindet sich eine ungewöhnliche fünffache, ringförmige Urna-Markierung: ein größerer zentraler Kreis, umgeben von vier kleineren Ringen. Sie unterscheidet sich deutlich von der üblichen einzelnen Urna vieler thailändischer Buddha-Bilder. Ihre genaue rituelle oder ikonographische Bedeutung ist bislang nicht abschließend geklärt und wird daher ohne spekulative esoterische Deutung dokumentiert.
Die Skulptur wurde als monumentaler Hohlguss im Wachsausschmelzverfahren hergestellt. Buddha, Naga-Windungen und der sehr schwere Naga-Baldachin bilden eine komplexe mehrteilige Konstruktion. Das separat montierte Naga-Element wiegt schätzungsweise etwa 35–40 kg.
Im Inneren sind umfangreiche Bereiche des historischen Gusskerns erhalten. Sichtbar sind rot-orange eisenreiche Tonbereiche, dunklere graue Reduktionszonen und stellenweise faserig gemagertes Material. Auch Reste interner metallischer Kernstützen sowie der historischen Montagekonstruktion sind erkennbar.
Die mikroskopische Untersuchung der Oberfläche zeigt mehrere historische Bearbeitungs- und Fassungsphasen. Unter der heutigen dunkelbraunen Patina liegen gelb-ockerfarbene Vorbereitungsschichten und kleinste metallisch goldfarbene Reste, die mit einer früheren Vergoldung vereinbar sind, wahrscheinlich Blattvergoldung über älteren Lack- oder Grundierungsschichten. Die UV-Untersuchung zeigt zudem heterogene Rückstände älterer organischer Oberflächenbehandlungen.
Die Bronze besitzt eine tiefe, geschichtete historische Oberfläche mit lang anhaltenden Gebrauchsspuren, lokalen Abriebzonen und Resten früherer Oberflächenfassungen. Im Bereich der historischen Befestigung des Naga-Baldachins sind ausgeprägte alte Kontaktspuren sichtbar.
Aufgrund der monumentalen handgegossenen Konstruktion steht die Skulptur nicht vollkommen lotrecht, und der sehr schwere Naga-Baldachin muss sorgfältig ausgerichtet werden. Im Montagebereich befinden sich spätere Stabilisierungs- oder Reparaturmaterialien; diese sind als solche erkennbar und werden nicht als Beleg für die Datierung herangezogen.
Die Asymmetrie, die historische Montage, der erhaltene Gusskern und die verschiedenen Oberflächenphasen machen die technische Geschichte dieses Objekts außergewöhnlich gut ablesbar.
Ein wichtiger Vergleich ist der monumentale Buddha von Grahi aus Chaiya, Thailand, heute im Bangkok National Museum. Das vorliegende Bild folgt demselben grundlegenden ikonographischen Konzept, überführt dieses jedoch in eine weiterentwickelte thailändische Formensprache.
1stBuddha präsentiert das Objekt daher nicht lediglich als dekorative Skulptur, sondern als bedeutendes Forschungs- und Sammlungsobjekt innerhalb der Geschichte monumentaler thailändischer Bronzeskulptur.
Die angegebene Datierung entspricht unserem derzeitigen kunsthistorischen Forschungsstand. Eine weiterführende technische Untersuchung des Gusskerns und der historischen Oberflächenschichten ist als Teil der fortlaufenden Erforschung der Skulptur vorgesehen.
